Flexible Arbeit: So passt dein Job zu dir – nicht umgekehrt!
Für viele Arbeitnehmende ist ein Job mehr als nur ein Gehalt. Jede Arbeit braucht genug Raum für Gesundheit und Alltag. Daher wünschen sich insbesondere Jobsuchende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen eines: flexible Arbeit. Doch was bedeutet „flexible Arbeit“ eigentlich? Und wie kann sie dir helfen, besser zu arbeiten und gesünder zu leben? Hier findest du Antworten, Erfahrungen und praktische Tipps für deine Zukunft.
Was steckt hinter flexibler Arbeit?
Flexible Arbeit bedeutet mehr als nur ein gelegentlicher Tag im Homeoffice. Gemeint ist ein Arbeitsumfeld, das sich im Hinblick auf Arbeitszeit, Arbeitsort und Arbeitsplatz an deine individuelle Lebensrealität anpasst. Gerade für Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen kann das der Schlüssel zu beruflicher Teilhabe sein. Laut REHADAT fördern angepasste Modelle nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Motivation.
Zu den häufig genutzten Möglichkeiten gehören zum Beispiel Gleitzeitmodelle. Es gibt eine fixe Kernzeit, zu der du anwesend beziehungsweise erreichbar sein musst. Ob du früher anfängst oder danach länger bleibst, entscheidest du in Absprache mit deinem Arbeitgeber. Auch Teilzeitlösungen oder Job-Sharing-Modelle (zwei Personen teilen sich eine Stelle) schaffen Raum für individuelle Bedürfnisse.
Flexibel Arbeiten heißt auch Anpassungen am Arbeitsplatz selbst vornehmen zu können. Dazu zählen barrierefreie Zugänge, höhenverstellbare Schreibtische oder spezielle Software. Auch individuelle Pausenregelungen helfen, den Tag flexibel und bedürfnisorientiert zu gestalten. Besonders beliebt sind hybride Arbeit, also eine Kombination aus Büroarbeit und Homeoffice und Remote Work (mobile Arbeit).
Homeoffice oder Remote Work?
Beim Homeoffice arbeitest du nicht im Büro, sondern bei dir zuhause (z.B. am Esstisch, im eigenen Arbeitszimmer oder an einem ruhigen Ort in deiner Wohnung). Viele Arbeitgebende bieten feste Homeoffice-Tage pro Woche an. An den anderen Tagen bist du im Büro. So sparst du dir wöchentlich mehrfach den Arbeitsweg und kannst in vertrauter Umgebung arbeiten. Das entlastet vor allem jene, für die regelmäßiges Pendeln körperlich oder psychisch anstrengend ist.
Bei Remote Work bist du nicht an einen festen Ort gebunden, sondern kannst überall arbeiten, wo es für dich passt (z.B. in einem Café, in einem Coworking-Space oder anderswo). Häufig ist „Remote Work“ auch eine allgemeine Bezeichnung für Jobs, bei denen man keinen Arbeitsplatz am Unternehmensstandort hat. Das kann besonders dann hilfreich sein, wenn Pendeln nicht möglich oder mit großem Aufwand verbunden ist.
Flexible Arbeit umsetzen: So machen es andere
Flexible Arbeit wird bereits vielfach gelebt. Dominik und Elisabeth etwa zeigen, wie gute Lösungen im Job aussehen können:
Dominik, Produktmanager bei myAbility.jobs, lebt mit chronischen Schmerzen. Für ihn ist Flexibilität am Arbeitsplatz keine Option, sondern eine grundlegende Voraussetzung:
„Ich arbeite Teilzeit und bin fast ausschließlich im Homeoffice. So kann ich mich jederzeit kurz hinlegen und weitgehend schmerzfrei arbeiten. Es war wichtig, dass ich anfangs noch häufiger im Büro war und erst während der Pandemie ins Homeoffice gewechselt bin. Das gab mir die Möglichkeit, mich gut ins Team einzuarbeiten, persönliche Kontakte zu knüpfen und mit meinem Arbeitgeber zu vereinbaren, wie wir auch virtuell gut zusammenarbeiten können. Ich denke, eine schrittweise Flexibilisierung ist manchmal für beide Seiten das Beste."
Auch Elisabeth, Disability-Trainerin bei myAbility, hat für sich ein passendes Modell gefunden:
„Ich bin Mutter und lebe mit einer Behinderung. Für mich waren flexible Arbeitszeiten zentral bei der Wahl meines Jobs, damit ich z.B. regelmäßige Therapie- und Arzttermine wahrnehmen kann. Bei den Einstellungsgesprächen habe ich meine Anforderungen bezüglich möglichst freier Zeiteinteilung offen kommuniziert und begründet. Gleichzeitig habe ich klargestellt, dass ich mich selbstverständlich an feste Termine halte. Als Trainerin muss mein Arbeitgeber wissen, dass man sich auf mich verlassen kann. Gegenseitiges Vertrauen ist eine wichtige Basis, um Freiräume zu ermöglichen."
Die Beispiele von Dominik und Elisabeth machen deutlich:
Flexible Arbeitsbedingungen entstehen dann, wenn man gemeinsam an Lösungen arbeitet. Damit solche Modelle funktionieren, braucht es vor allem gegenseitiges Vertrauen. Dieses Vertrauen wächst mit der Zeit.
Zu Beginn können manche Wünsche für Arbeitgebende noch ungewohnt oder schwer vorstellbar sein. Deshalb ist es hilfreich, wenn du dir früh überlegst, was du unbedingt brauchst, um gut arbeiten zu können. Sei dir auch klar darüber, was du dir langfristig wünschst.
Im offenen Gespräch mit deinem Arbeitgebenden lässt sich dann gemeinsam herausfinden, ob Vertrauen und Flexibilität für beide Seiten wichtig sind. Sprecht darüber, wie ihr diese Werte im Alltag konkret leben könnt (zum Beispiel durch klare Absprachen, verlässliche Kommunikation oder angepasste Strukturen).
Achtung: Nicht in allen Berufen oder Branchen lässt sich Flexibilität gleichermaßen umsetzen. So sind Homeoffice oder Remote Work im handwerklichen Bereich oder im Handel oft kaum möglich, weil die Arbeit vor Ort erledigt werden muss. Auch bei Schichtarbeit (etwa in der Produktion) ist die freie Einteilung der Arbeitszeiten meist eingeschränkt. Deswegen ist es wichtig, realistisch zu prüfen, welche Formen von flexibler Arbeit im jeweiligen Job überhaupt möglich sind. Auch hier hilft ein Gespräch mit dem Arbeitgebenden, um gemeinsam nach praktikablen Lösungen zu suchen, die für beide Seiten funktionieren.
5 Tipps, wie du deine Flexibilität im Alltag leben kannst:
1. Sei klar und lösungsorientiert
Sprich in Bewerbungsgesprächen offen an, was du brauchst. Erwähne auch, was der Arbeitgebende im Gegenzug erhält (z.B. Verlässlichkeit; Motivation; Effizienz).
2. Schlage konkrete Modelle vor
Sei präzise im Hinblick auf das, was du benötigst. Zum Beispiel: pro Woche zwei Tage Homeoffice für das Abarbeiten des Workload, zwei Tage vor Ort im Büro für Kund:innenkontakt.
3. Erleichtere Planbarkeit für dein Team
Nutze einen digitalen Kalender. Trag darin nicht nur deine Meetings ein, sondern auch deine Pausen, Behandlungen oder Fokuszeiten.
4. Gestalte deinen Arbeitsplatz
Dein Arbeitsplatz im Büro oder im Homeoffice sollte deinen Bedürfnissen entsprechen. Dazu zählt etwa ein höhenverstellbarer Tisch, eine leise Ecke oder gutes Licht.
5. Pausen bewusst planen
Hör auf deinen Körper und arbeite nicht nur stumpf deine Aufgaben ab. Kurze Pausen helfen dabei, konzentriert und schmerzfrei zu bleiben. Wer sie ernst nimmt, kann besser arbeiten.
Fazit: Das Wichtigste in Kürze
Flexibles Arbeiten und flexible Arbeitszeiten sind mehr als nette Optionen. Sie ermöglichen Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen, Beruf und Alltag gut miteinander zu verbinden. Wenn Arbeitszeiten und Arbeitsformen an individuelle Bedürfnisse angepasst werden, wirkt sich das positiv auf Gesundheit, Zufriedenheit und Motivation aus. Davon profitieren alle. Voraussetzung für flexibles Arbeiten ist, dass du selbst weißt, was du brauchst und mit deinem Arbeitgeber offen darüber sprichst. So können Lösungen entstehen, die für beide Seiten passen.
Bereit für den nächsten Schritt?
Du wünschst dir mehr Freiraum, um dein Potenzial zu entfalten? Du suchst einen Job, der wirklich zu deinem Leben passt – mit Teilzeit, Homeoffice oder flexibler Zeiteinteilung? Dann entdecke jetzt Arbeitsplätze, wo deine Bedürfnisse ernstgenommen werden:
Barrierefreie Jobsuche
Starte jetzt deine Karriere ohne Barriere auf myAbility.jobs!
Unternehmen auf unserer Jobplattform freuen sich über Bewerbungen von Menschen mit Behinderungen & chronischen Erkrankungen.
Inklusive Jobplattform