Über das Vergessen-Werden

Es ist ein Teufelskreis: Viele Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen verschwinden praktisch aus dem öffentlichen Leben. Vielen chronisch kranken Menschen fehlt es an Energie, um regelmäßig ihr Haus zu verlassen. Viele Menschen mit Behinderungen können Orte nicht erreichen, weil es zu viele Barrieren gibt. Was passiert, wenn auf sie vergessen wird?

Ein Foto von Rea Strawhill, daneben der Titel des Artikels: "Über das Vergessen-Werden"

Weil Menschen mit Behinderungen in Lokalen, Veranstaltungszentren oder Geschäften kaum zu sehen sind, denken viele: „Wir brauchen keine Rampe, keine barrierefreien Sitzplätze, keine Untertitel.“ Weil behinderte Personen nicht gesehen werden, wird nicht an sie gedacht. 

Hinzu kommt: Sehr viele Menschen haben Behinderungen, die man zumindest auf den ersten Blick nicht sieht. Solange diese Personen ihre Behinderungen nicht offenlegen, werden sie nicht als Menschen mit Behinderungen wahrgenommen. Dies führt oft dazu, dass die Bedürfnisse dieser Personen nicht erstgenommen werden oder deren Einschränkungen kleingeredet werden. 

Ohne Sichtbarkeit kein Bewusstsein

Für mehr Barrierefreiheit zu sorgen, wird oft als Last wahrgenommen. Diese Personen haben wohl noch nie darüber nachgedacht, wie mühsam und lästig es ist, tagtäglich von Barrieren umgeben zu sein, die einem eine uneingeschränkte Teilhabe unmöglich machen. Aber woher soll man wissen, wie man chronisch kranke oder behinderte Menschen unterstützen kann, wenn man sie nie sieht? Wenn es immer noch so einen großen Mangel an authentischer Repräsentation gibt? Wie soll man Lösungen finden, wenn man das Problem nicht erfassen kann? Um ein Bewusstsein für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen zu schaffen, brauchen wir mehr Sichtbarkeit.

Dies erreichen wir, indem wir diese Menschen aktiv vor den Vorhang holen und aktiv über sichtbare und unsichtbare Behinderungen aufklären. Dazu braucht es ehrliche und vorurteilsfreie Repräsentation in den Medien und im öffentlichen Leben. Viele Menschen machen auf ihren Social-Media-Kanälen auf das Leben mit Behinderungen aufmerksam – und das ist gut so, denn so können wir auch abseits von traditionellen Medien unsere Mitmenschen sensibilisieren.

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Das Vergessen-Werden und seine Folgen

Die Unsichtbarkeit von Menschen mit Behinderungen hat nicht nur im Freizeitbereich weitreichende Folgen. Auch an Schulen, Universitäten oder in der Arbeitswelt führt es dazu, dass Personen kein Bewusstsein dafür haben, wie man Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen unterstützen kann. Die Konsequenz:  Menschen mit Behinderungen werden oft aus der Arbeitswelt ausgeschlossen, was ein hohes Armutsrisiko mit sich bringt. Frauen mit Behinderungen sind besonders gefährdet, in Armut zu leben und aufgrund von Abhängigkeitsverhältnissen Gewalt zu erfahren.

Durch den Mangel an Repräsentation und Sichtbarkeit werden wir vergessen – und somit wird auch vergessen, Dinge für uns so anzubieten, dass wir sie nutzen können. Ob beim Bau neuer Gebäude, in der Medizin oder bei der Erstellung neuer Gewaltschutzkonzepte: Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen – egal ob sichtbar oder unsichtbar – müssen von Anfang an in allen Lebensbereichen mitbedacht werden.

Sichtbarkeit in Sozialen Medien – über die Gastautorin

Rea Strawhill ist ehemalige Lehrerin und schreibt auf ihrem Blog und auf Social Media über ihre Erfahrungen mit der Krankheit ME/CFS. Ihr Ziel ist es, Bewusstsein für Themen wie unsichtbare Behinderungen, Ableismus und Inklusion zu schaffen, und über Vorurteile zu chronischen Krankheiten und Behinderungen aufzuklären.

Auf Social Media findet ihr sie unter @Rea Strawhill 

Du hast eine (unsichtbare) Behinderung oder chronische Erkrankung und möchtest deine Erfahrung aus deinem Arbeitsalltag und Leben mit anderen aus der Community teilen? Melde dich bei uns unter communications@myability.org

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